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Das Infozentrum des Schwäbischen Streuobstparadieses öffnet seine Tore
Hunderte Besucher erproben im neuen Infozentrum ihre Fähigkeiten bei interaktiven Spielen

Am Sonntag, den 8. Juli war es soweit: Das Infozentrum des Schwäbischen Streuobstparadieses in Mössingen öffnete nach vierjähriger Planungs-, Sanierung- und Gestaltungsphase seine Tore.

1 Schlüsselübergabe Nicole SillerProduzenten aus dem gesamten Vereinsgebiet präsentieren bunte Streuobst-Vielfalt
Schon in den frühen Morgenstunden kam Leben auf den Löwensteinplatz: Insgesamt 18 Aussteller aus dem gesamten Vereinsgebiet des Streuobstparadieses bauten ihre Stände für den Regionalmarkt auf. Betriebe rund um Mössingen, aber auch aus Herrenberg und Dettingen/Teck sowie aus weiteren Ecken der Region richteten liebevolle Stände mit allerlei Köstlichkeiten aus den Streuobstwiesen her. Von Saft über Secco bis hin zu Most und Destillaten gab es allerlei zu kosten und zu kaufen. Die kreativen Streuobstler boten auch alkoholische und alkoholfreie Cocktails aus Streuobstprodukten an und erfrischten so die Besucher auf dem sonnenverwöhnten Platz. Das Netzwerk Streuobst und die Initiative Vital Carbon informierten über die zahlreichen Projekte zur Schnittgutsammlung und -verwertung bis hin zur Biokohle aus Schnittgut. Der Verein Schwäbisches Streuobstparadies wartete mit dem neuen Wanderführer des Silberburg Verlags auf und warb für Sponsoring-Partnerschaften für das Infozentrum. Das Café Pausa und viele der Aussteller verköstigten die Besucher und boten Platz zum genießen, erholen und austauschen.

„Strahlkraft über den Landkreis Tübingen hinaus“ (Landrat Joachim Walter)
Der Besuchermagnet des Tages war natürlich das neu eröffnete Infozentrum des Schwäbischen Streuobstparadieses. Hunderte von Besuchern strömten im Laufe des Tages in die sanierten Räume der ehemaligen Werkstatt und Kantine der Firma Pausa und tauchten in eine einzigartige virtuelle Streuobst-Welt ein. „Wir haben verschiedenste didaktische Mittel für die Informationsvermittlung gewählt“, erläuterte Maria Schropp, die Geschäftsführerin des Vereins. „Alle Sinne werden angesprochen – hören, riechen, fühlen und sehen. Im Mittelpunkt steht aber das Mitmachen, damit wollen wir die Besucher begeistern“. Und das ist dem Verein gelungen: Insbesondere die internaktiven Stationen wie das Vogelstimmenspiel, bei dem man nicht nur Wissenswertes über die fünf wichtigsten Vogelarten der Obstwiesen erfährt, sonder sich auch gleich im Nachpfeifen des Gezwitschers üben kann, begeisterten die Besucher. Dauerhaft belegt war das Obsterntespiel auf der Galerie der Ausstellung, wo insbesondere Kinder fieberhaft versuchten neue Rekorde im „Abklatschen“ der leuchtenden Früchte im Baum und auf dem Boden zu erzielen. Laien und erfahrene Baumpfleger versuchten sich am Baumschnittspiel, bei dem man mittels Fingerberührung die Säge ansetzen kann und eine Auswertung der geführten Schnitte erhält. „Eine besondere Herausforderung war für uns, diese Wissenschaft Streuobst so zu verpacken, dass sie für eine möglichst breite Zielgruppe zugänglich wird. Dazu mussten wir Informationen attraktiv reduzieren, so dass das Thema erlebbar und anschaulich wird“, berichtet Maria Schropp.

2 Obsterntespiel Nicole SillerFeierliche Schlüsselübergabe
Nachmittags wurden nach Grußworten von Oberbürgermeister Michael Bulander und Landrat Joachim Walter die Schlüssel für das Gebäude an die Nutzer übergeben. Seitens des Ministeriums für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz dankte Ministerialdirigent Joachim Hauck dem Streuobstparadies und allen seinen Akteuren für die vorbildliche Arbeit und den Mut, dieses Infozentrum auf den Weg zu bringen. „Das Streuobstparadies hat nun ein Schaufenster bekommen, dass weit über den Landkreis Tübingen hinaus strahlt“, freute sich Landrat Joachim Walter und auch Oberbürgermeister Bulander, gleichzeitig Vorsitzender des Vereins Schwäbisches Streuobstparadies e.V. zeigte sich stolz und dankbar, dass Kreistag, Gemeinderat, Vorstand des Vereins, die andere Landkreise und alle Akteure immer an das herausfordernde Projekt geglaubt haben. Die Architekturbüros ERNST ² und Mehl Architekten übergaben im Anschluss an die Festreden einen großen Schlüssel an Oberbürgermeister Bulander, der diesen weiter an die Nutzer, Maria Schropp (Geschäftsführerin Schwäbisches Streuobstparadies e.V.) und Marcus Hölz (Geschäftsfüherer AiS – Arbeit in Selbsthilfe und Betreiber des Café Pausa) weiter reichte. Musikalisch umrahmt wurde der Festakt von Bläsern der Jugendmusikschule Mössingen.

3 Festreden Nicole SillerVierklang aus Denkmal, Café, Infozentrum und Obstwerkstatt
In einer Führung wurde den interessierten geladenen Gästen der bestechende Vierklang des Projekts vor Augen geführt. Bürgermeister Martin Gönner erzählte lebhaft von den Herausforderungen bei der Sanierung des denkmalgeschützen Gebäudes, in das die Stadt ca. 3 Millionen Euro investiert hat und zeigte Details und Hintergrundinformationen zur Architektur von Manfred Lehmbruck auf. Das einzigartige Ensemble in der Mössinger Innenstadt dokumentiert die Industriearchitektur der Nachkriegszeit und bietet dem Infozentrum und dem Café Pausa ein außergewöhnliches Zuhause. Peter Neudert von der Agentur Impuls design GmbH aus Erlangen erläuterte die Grundideen zum Infozentrum des Streuobstparadieses und ging auf die Herausforderung ein, eine Landschaft, die sich am besten in der Realität erleben lässt, in einen Raum zu holen und zu inszenieren. Fünf große Baumsilhouetten greifen die Themenblöcke Geschichte, Artenreichtum, Naherholung, Pflege und Ernte und Bedeutung der Streuobstwiesen auf. Die Geschäftsführerin Maria Schropp erläuterte einzelne Stationen und berichtete von der umfangreichen Detailarbeit, die hinter der Erstellung eines solchen Infozentrums steckt. Marcus Hölz, Geschäftsführer der AiS (Arbeit in Selbsthilfe) beschrieb das Konzept des Café Pausa, in dem Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten und Produkte aus den Streuobstwiesen und der Region auf den Tisch bringen. Potenzial für Veranstaltungen und Kurse bietet die Obstwerkstatt, die an Café und Infozentrum anschließt und Platz zum Verarbeiten von Obst bietet. „Wie der Name Werkstatt schon sagt, soll hier Hand angelegt werden“, beschreibt Maria Schropp. „Von Mosten über Dörren und Kochen – die vielfältige Obstwervertung kann in der Werkstattküche gemeinsam erlebt werden.“

Rundum gelungener Startschuss für einen neuen Besuchermagneten
Am Ende des langen Sommertages freuten sich alle Beteiligten über den gelungenen Startschuss für das Infozentrum. „Nun hoffen wir, dass der laufende Betrieb Fahrt aufnimmt und viele Besucher aus der näheren Umgebung und der Region den Weg hierher finden“, hofft Maria Schropp. Der Verein ist auch weiterhin auf Unterstützung zur Betreibung des Infozentrum angewiesen: „Das Infozentrum braucht Fans“, sagt Schropp, „wir bieten verschiedene Pakete zur Beteiligung an, vom stilisierten Apfel mit Unterschrift bis hin zur Patenschaft für ein Ausstellungsmodul“. Der Verein bietet so für Privatpersonen, Vereine und Firmen interessante Beteiligungsmöglichkeiten an.

Hintergrundinformationen zum Streuobstparadies und zum Infozentrum
Der Verein Schwäbisches Streuobstparadies wurde 2012 gegründet und ist ein Zusammenschluss der Landkreise Böblingen, Esslingen, Tübingen, Reutlingen, Göppingen, dem Zollernalbkreis sowie vielen Kommunen, Betrieben, Vereinen und Initiativen aus den Handlungsfeldern Obst- und Gartenbau, Naturschutz, Tourismus und Bildung. Bei der Finanzierung des 270.000 € schweren Projekts beteiligten sich alle Mitgleidslandkreise und das Land Baden-Württemberg. Sponsoren wie die VR Bank Tübingen, die Kreissparkasse Tübingen, die Firma Eroglu Präzisionswerkzeuge und Speidel Tank- und Behälterbau sowie einige Betriebe, Kommunen und Privatpersonen unterstützen das Infotzentrum mit Sponsorenmitteln.

Adresse und Öffnungszeiten:
Infozentrum Schwäbisches Streuobstparadies
Löwensteinplatz 2
72116 Mössingen
www.streuobstparadies.de

Mittwoch bis Montag, 9-19 Uhr
Dienstag ist Ruhetag

Alle Fotos stammen von Nicole Siller, Stadt Mössingen